Montag, Februar 26, 2018

Meine Meinung zu "Wie Ellie Carr zu leben lernt" von Frances Maynard

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Gebundenes Buch, HalbleinenISBN: 978-3-336-54790-6

Erschienen:  16.10.2017 
Dieser Titel ist lieferbar.

Weitere Ausgaben: eBook (epub)  (Wunderraum-Verlag)




Ellie Carr ist siebenundzwanzig und weiß alles über Kekse. Menschliche Beziehungen hingegen liegen ihr überhaupt nicht. Denn Ellie ist Autistin. Als ihre Mutter nach einem Schlaganfall ins Krankenhaus kommt, muss die junge Frau erstmals für sich selbst sorgen und ihr Schneckenhaus verlassen. Mit Hilfe von Kochrezepten – Ein Schritt nach dem anderen! – und Tipps aus Internetforen – Sei lieber diplomatisch als ehrlich! – erstellt sie sich eine Liste mit »sieben Regeln für den Umgang mit Menschen«, an die sie sich eisern hält. Doch leider erweisen sich diese Regeln im Dschungel des menschlichen Miteinanders als völlig unzuverlässig. Zum Glück begreift Ellie allmählich, dass es im Leben gar nicht so sehr um Regeln geht, sondern darum, mutig seinen Weg zu gehen. Liebevoll ausgestattete Ausgabe mit Leinenrücken und Lesebändchen. (Wunderraum-Verlag)





Ich bin begeistert. Total angetan von einer jungen Frau, die zu leben gelernt hat. Sie wird Ellie genannt und ich werde sie niemals mehr vergessen.
Ellie erzählt von ihrem Leben. Mal in der Gegenwart-mal in der Vergangenheit. Ellie braucht Routine, um ihren Alltag zu meistern. Überraschungen bringen sie durcheinander. Mit Menschen sprechen mag sie nicht so gerne. Sie versteht oftmals nicht, wenn andere Menschen Witze machen oder wenn es ernst gemeint ist. Mit Redewendungen kann sie nichts anfangen. Sie ist Autistin. Sie weiß sehr viel über Kekse. Mit ihrer Mutter genießt sie diese zu bestimmten Zeiten. Ihr Vater lebt nicht mehr. Ellie fühlte sich von ihm stets verstanden. Ihre Mutter ist sehr streng zu ihr. Traut ihr nichts zu und hält ihre ständig ihre Missgeschicke vor.
Dann bekommt die alte Dame einen Schlaganfall. Nach dem Krankenhaus zieht sie in ein Pflegeheim. 
Erst ist Ellie sehr verunsichert. Ihr normaler Tagesablauf ist nun erheblich gestört. Sie lebt alleine im Haus. Schnell entwickelt sich eine neue Routine für sie. Sie besucht täglich ihre Mutter im Pflegeheim.

Mit dem Thema Autismus habe ich mich bisher noch nie befasst. Ich habe mir einige Infos gegoogelt. Diese Geschichte bringt Autismus genau auf den Punkt. Man versteht das Verhalten Betroffener viel besser. 
Der Titel des Buches trifft exakt zu. Nachdem Ellie allein im Haus lebt, lernt sie wirklich zu leben. Sie lernt einen Computer zu bedienen und tauscht sich mit einer anderen Betroffenen aus. Sie erstellt eine Liste mit sieben Regeln, die ihr das Miteinander mit anderen Menschen erleichtern sollen. 
Ihre Nachbarin Sylvia ist eine gute Freundin für sie. Sylvia kennt Ellie und ihre Mutter schon seit vielen Jahren. Die tägliche Tasse Tee und Gespräche mit ihr, tun Ellie sehr gut. Sylvia nimm sie ernst. Erklärt ihr viele Dinge. Erledigt mit ihr Behördengänge. Hilft ihr ein neues Leben zu führen. Einmal möchte Ellie Sylvia helfen. Das endet jedoch in einem Fiasko. Eine Zeit lang herrscht zwischen den Beiden Funkstille. Das stimmt Ellie sehr traurig. 
Um Ellies Vater ranken sich viele Geheimnisse. Andeutungen von anderen versteht sie nicht.
Für sie sind die anderen Menschen die "Normalen!" Ehrlich gesagt fand ich Ellie ganz normal. Ja, mit einer Störung, aber so richtig normal. Was kann falsch daran sein, Dinge so auszusprechen, dass sie jeder versteht? Führen Redewendungen nicht oftmals auch bei "Normalen" zu Missverständnissen?
Ellie versteht auch die Worte zwischen den Zeilen immer besser.
Ihre Mutter war nicht unbedingt eine Sympathieträgerin. >>Doch nicht so<<  musste Ellie oft von ihr hören. Sie hat überhaupt nicht versucht, das Beste aus ihrer Tochter rauszuholen. Hat den eigenen Frust an ihrer Tochter ausgelassen. Die Wahrheit über Ellies Vater zu einem großen Geheimnis gemacht. Einzig mit ihrer finanziellen Vorsorge für Ellie, konnte sie bei mir punkten. 
Ellie wird mit jedem Tag ein kleines bisschen selbständiger. Sie geht immer öfter ungewohnte Wege und bewirbt sich für eine ehrenamtliche Tätigkeit.


Der Abschied von Ellie fiel mir nicht leicht. Ihre Geschichte reflektiert Autismus exakt wider. Ellie muss man mögen. Ihre liebenswerte Art geht einem durch und durch. Sie kann nicht lügen. Sie lernt mit jedem Tag ein bisschen mehr. Sie hat mich oft zum Lachen gebracht. Genau dieses Lachen hat Ellie bei anderen Menschen verunsichert. Für sie war alles Gesagte ernst gemeint. Ellie hat zu leben gelernt. Sie hält noch viele Überraschungen bereit. Sie lernt neue Menschen kennen. Sie liebt Tiere. Und nun liebt sie auch das Leben!
Ich kann Euch die Geschichte nur an's Herz legen. Herzerfrischende Ehrlichkeit begegnet einem auf jeder Seite. Eine ruhige Geschichte, die mich sehr gut unterhalten hat.
Ach, und noch eins: Am Ende habe ich Ellies Mutter besser verstanden.
Schaut Euch nur mal die wunderschöne Aufmachung des Buches an. Der Inhalt kann absolut mithalten!

Danke Frances Maynard. Ich habe jedes einzelne Wort genossen.


>>Alte Menschen brachen oft zusammen, aber ich hätte niemals gedacht, dass Mutter das passieren würde. Ich war überrascht, dass sie es zuließ.<< (Seite 7)

>>Die Leute redeten um des Redens willen, ohne dass das, was sie sagten, besonders viel Sinn ergab.<< (Seite 235)



Frances Maynard ist Englischlehrerin an einer Förderschule für Erwachsene mit Lernbehinderungen. Sie ist verheiratet, hat eine erwachsene Tochter und lebt in Dorset. »Wie Ellie Carr zu leben lernt« ist ihr erster Roman.







Kommentare:

  1. Hallo liebe Gisela,
    den Wunderraum-Verlag habe ich erst zu Weihnachten für mich entdeckt. Die Aufmachung ist sehr schlicht, dennoch edel doch der Inhalt der Bücher hat es in sich. Daher kann ich sehr gut nachvollziehen wie gut Dir dieses Buch gefallen hat.
    Es freut mich, dass Du so angenehme Lesestunden damit verbracht hast.
    Herzliche Grüße
    Andrea

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    1. Hallo Andrea

      Wunderraum ist ein wirklich einzigartiger Verlag. Ich hab noch ein Buch hier liegen. Ich freu mich schon.

      Liebe Grüße,
      Gisela

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  2. Liebe Gisela,
    ich hatte das Buch schon am Schirm, da ich bereits "Zartbitter ist das Glück" aus dem Verlag gelesen habe, das mir auch sehr gut gefallen hat.
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Hallo Martina

      Zartbitter wartet auch auf mich :-)

      Liebe Grüße,
      Gisela

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  3. Hallo Gisela,

    das Buch klingt ja sehr interessant und wäre auch etwas für mich. Wobei das Thema dann nicht zu unverständlich rüberkommen darf, sonst kann man es nicht gut verstehen. Aber das scheint ja laut deiner Rezi nicht der Fall zu sein.

    Liebe Gisela,
    du musst jetzt ganz stark sein! ;-)
    Denn ich habe mal wieder einen Award weiterzugeben. Wenn du magst, kannst du hier mitmachen, ich habe dich nominiert und würde mich über einen Beitrag von dir sehr freuen.

    http://sommerlese.blogspot.de/2018/02/blogger-recognition-award.html

    Liebe Grüße Barbara

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    1. Hallo Barbara

      Die Thematik ist leicht verständlich rübergebracht. Die Geschichte ist wunderschön und geht sehr zu Herzen.

      Danke für die Nominierung. Ich schau mir das die Tage mal an.

      Liebe Grüße,
      Gisela

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  4. Hallo Gisela, der Wunderraum Verlag mausert sich zu einem Geheimtipp :-) . Die Autorin zu obigen Buch weiss sicher viel über das Thema Autismus. Ich finde das sehr interessant und überlege es auch anzufordern. Aber erstmal muss ich meine sechs auf mich wartenden Bücher abarbeiten...halt Dich schön warm bei der Eiseskälte! Über * Zartbitter ist das Glück* findest Du übrigens bei mir auch eine Rezension.
    LG Angela

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    1. Liebe Angela

      Da hast du Recht. Der Verlag ist wirklich ein "Wunderraum!" Ich habe noch eins da. Bin gespannt wie mir das gefällt. Am Wochenende lese ich mich wieder durch die Blogs durch. Das hab ich mehr Zeit.

      Gab einen schönen Tag und liebe Grüße, Gisela

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