Mittwoch, Juni 07, 2017

Meine Meinung zu "Die Dame mit dem blauen Koffer" von Valérie Perrin





Französisch charmant und mit dem richtigen Gespür für Tragik, Komik und zauberhafte Figuren verknüpft Valérie Perrin die Geschichte einer großen Liebe während des Zweiten Weltkriegs mit dem tragischen Familiengeheimnis einer jungen Frau. Ein berührender und warmherziger Roman über Erinnerungen und Familiengeheimnisse - generationenübergreifend erzählt durch die witzige und erfrischend junge Erzählerin Justine, die, seit sie sich erinnern kann, bei ihren Großeltern lebt. Ihre Eltern sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen. 
Die quirlige und lebenshungrige Justine arbeitet als Altenpflegerin in einem Seniorenheim. Besonders rührend kümmert sie sich dabei um die 90jährige Hélène, die sich die meiste Zeit mit einem blauen Koffer am Strand, irgendwo im Süden Frankreichs, wähnt. Dort glaubt sie, von ihrem geliebten Mann Lucien erwartet zu werden.
Peu à peu erzählt sie der 21jährigen Justine die bewegende Geschichte ihrer großen Liebe, die während des Zweiten Weltkriegs nicht nur Verzweiflung und Verrat überdauern musste. Dadurch inspiriert begibt sich Justine schließlich selbst auf Spurensuche und kommt dem tragischen Geheimnis hinter dem Autounfall und Tod ihrer Eltern auf die Spur.



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Die Dame am Strand.

Justine ist eine junge Frau, die ein sehr großes Herz für alte Menschen hat. Der Beruf Altenpflegehelferin ist ihr auf den Leib geschrieben. Einen besonders guten Draht hat sie zu der 90 jährigen Héléne.
Die demente Dame lebt in ihrer eigenen Welt. An einem Strand im Süden Frankreichs, fühlt sie sich wohl und erzählt Justine ihre Geschichte. 
Hélénes Enkel kommt oft zu Besuch. Er liest seiner Oma aus einem Buch vor. Justine ist von dem schönen Mann begeistert. Er bitte Justine, die Erzählungen seiner Oma in ein Heft zu schreiben.
Justine freut sich jeden Tag auf die Geschichten der alten Dame. Sie kommt auch ihrer eigenen Vergangenheit auf die Spur.



Wir haben ja alle irgendwie einen Ekel vor Altenheimen. Wir verbinden es mit Krankheit, Langeweile und der letzten Station. So muss es aber nicht sein. 

Justine lässt uns an ihrem Alltag im "Haus Hortensie" teilhaben. Sie hat für die alten Menschen ein großes Herz. Man wünscht sich beim Lesen, es möge mehr solche Pflegerinnen geben. Sehr wohl kommt auch in dieser Geschichte zum Ausdruck, wie viel Stress dieser Beruf mit sich bringt.
Besonders gut hat mir gefallen, wie die alten Leutchen jeden Morgen begrüßt werden. Mit sehr viel Humor und Liebe geht man auf die Heiminsassen ein. 

Justine ist eine junge Frau, die privat ihren Weg noch nicht gefunden hat. Ihre Eltern hat sie als kleines Mädchen verloren. Bei ihren Großeltern hat sie mit ihrem Bruder ein neues Zuhause gefunden. Trotzdem fehlen ihr die Eltern. Sie möchte gerne mehr über deren Unfall wissen. Ihr Vater und sein Zwillingsbruder, waren zusammen mit ihren Frauen bei Glatteis mit dem Auto unterwegs. Sie prallten gegen einen Baum.
Jules ist eigentlich gar nicht Justines Bruder. Er ist ihr Cousin. Wie Geschwister sind sie jedoch aufgewachsen. 
Justines großes Herz zeigt sich auch an ihrem Verhalten Jules gegenüber. Sie bringt ein sehr großes Opfer.


Für Justine ist es wie Urlaub, wenn sie den Geschichten von Héléne lauscht. Sie erzählt von einer großen Liebe und den Kriegswirren der damaligen Zeit.
Wir lernen Héléne als junges Mädchen kennen. 
Das fand ich besonders interessant. Ich höre auch gerne Geschichten von alten Menschen. Mich faszinieren die Erlebnisse, die diese hatten. Man wird sich bewusst, dass alte, faltige, demente und gebrechliche Menschen, nicht anders lebten als wir jetzt. Natürlich in einer anderen Zeit und unter anderen Voraussetzungen.
Lucien war die große Liebe von Héléne. Er war ihr Beinahe-Mann. Er hat ihr die Blindenschrift beigebracht. Héléne konnte das Lesen in der Schule nicht lernen. Sie schaffte es einfach nicht. Sie war deswegen sehr verzweifelt. 

Als Justine den 1. Tag mit Héléne allein ist, wird sie von ihr gefragt: >>Soll ich dir von Lucien erzählen?<< >>Ja.<< >>Dann komm. Leg dein Ohr an meinen Mund.<<
Und ich hörte, was man in einer Muschel hört: das, was man hören möchte. (Seite 95)




Mir haben die Erzählungen von Héléne besonders gut gefallen. 
Sie beginnen mit Luciens Geburt am 25. November 1911 in Milly. Stück für Stück erfährt man Hélénes Geheimnisse. Wir begleiten ihr Leben bis zum Haus Hortensie.
Der Schreibstil ist flüssig. Die Protagonisten gut gezeichnet. Man spürt den französischen Charme zwischen den Zeilen.




Geheimnisvolle Anrufe im Haus Hortensie und Familiengeheimnisse, hauchen der charmanten Geschichte Spannung ein.
Man erlebt den Alltag in einem Pflegeheim.
Wir lernen die Schicksale mehrerer Generationen kennen.
Justine erfährt viel über ihre eigene Familie. Sie kommt einem tragischen Ereignis auf die Spur. 
Liebevoll und mit viel Humor werden uns verschiedene Generationen nahe gebracht.
Besonders gefreut hat mich, die Bekanntschaft mit Héléne und Justine zu machen.
Beide konnte ich mir bildlich vorstellen. Beide werde ich nicht mehr vergessen. 
Valérie Perrin hat einen wunderschönen Schreibstil. Mit viel Witz bringt sie uns den Alltag in einem Altenheim näher. Und ganz ehrlich, der muss nicht immer schlecht sein. Es gibt sie ... die Pflegerinnen, die ihren Beruf gerne ausüben. Mit Liebe zum alten Menschen.
Besonders erstaunt war ich darüber, dass man auch ge-nicht-heiratet werden kann.


Ob mir das Ende gefallen hat? Ja. Es kommt immer alles, wie es kommen muss.

"Die Dame mit dem blauen Koffer" sollte in keinem Bücherregal fehlen.

Danke Valérie Perrin



Einen herzlichen Dank an den Droemer-Knaur-Verlag für die Buchüberraschung!


Valérie Perrin ist Fotografin und Drehbuchautorin. Sie lebt und arbeitet mit Regisseur Claude Lelouch. "Die Dame mit dem blauen Koffer" ist ihr erster Roman. Die Geschichte ihrer eigenen Großeltern diente in mancherlei Hinsicht als Inspiration für diesen Roman.


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