Donnerstag, Juni 15, 2017

Ein kleines Interview mit der Autorin Franka Bloom von "Anfang 40-Ende offen"!




Heute darf ich Euch die Autorin Franka Bloom vorstellen. Franka hat ein Buch geschrieben, welches die Lachmuskeln strapaziert und dennoch zum Nachdenken anregt. "Anfang 40-Ende offen" konfrontiert uns Frauen mit Wechseljahren und den damit verbunden Nebenwirkungen. 
Auch jüngere Leserinnen kommen voll auf ihre Kosten!

Liebe Franka, möchtest du dich bitte mal vorstellen?

Fotografin Dagmar Morath
Sehr gerne. Als Franka Bloom habe ich dieses Jahr meinen ersten Roman veröffentlicht, was mir großen Spaß gemacht hat, zumal das Feedback überwiegend positiv ist, und ich offenbar viele Frauen mit der Geschichte von Vera Odermann gut unterhalten habe. Das freut mich riesig!
Eigentlich komme ich vom Drehbuchschreiben und bin dort bislang eher im Krimi-Genre unterwegs gewesen. Ich bin 47 Jahre alt und eine echte Revier-Blume, komme also aus dem tiefsten Ruhrgebiet.

1. Wie bist du auf die Idee des Buches gekommen?

Durch Selbstreflexion und Beobachtungen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Wenn die Kinder älter werden, verschiebt sich der Fokus und  wir Frauen nehmen uns wieder mehr wahr. Auch in den Medien werden Frauen Ü40 seit einiger Zeit stärker thematisiert. Klar, wir sind ja auch eine starke und selbstbewusste Zielgruppe. Aber wofür eigentlich? Und für wen? Heutzutage ist es schwierig uns zu definieren, sofern das überhaupt notwendig und möglich ist. Wir müssen in so viele Schubladen passen: tolle Mutter, erfolgreich im Berufsleben, verständnisvolle Partnerin, sportlich, gesund, bewusst im Umgang mit Körper, Geist und Seele, witzig, spritzig, engagiert, modisch, jung und was weiß ich nicht… Klar, will und kann man das nicht alles sein, muss man auch nicht, aber für viele Frauen ist es  dann schwierig, wieder zu sich selbst zu finden. Am liebsten möchten wir unabhängig sein, um unser Ding zu machen, um zu uns zu finden und herauszufinden: Wo stehe ich? Wer bin ich? Und was will ich noch? Leider stehen uns dabei häufig Unsicherheiten, Hormone und ein ständiges Konkurrenzdenken im Wege.

2. Kannst du dich mit der Protagonistin Vera identifizieren?

Schon, sonst hätte ich sie nicht so schreiben können, aber nicht ausschließlich.  Die Figur ist eine Mischung aus vielen Charakteren, Eigenschaften, Beobachtungen und Wahrnehmungen unterschiedlicher Frauen, denen ich begegnet bin oder über die ich etwas erfahren habe.

3. Was hältst du von dem Schönheitswahn, dem wir Frauen ausgesetzt sind?

Ich weiß gar nicht, ob wir dem unausweichlich ausgesetzt sind. Es ist eine Frage der Selbstwahrnehmung, wie und ob ich mich dem aussetze. Schönheit ist ja per sé nichts Negatives. Schönheitsideale gibt es seit Jahrtausenden. Nichts spricht dagegen, sich äußerlich zu optimieren, wenn es sich gut anfühlt. Niemand MUSS einem Wahn folgen. Wichtig ist, dass wir Frauen ein gesundes Selbstbewusstsein haben. Sich seiner selbst bewusst sein, ohne es von außen gesagt zu bekommen. Schwierig, aber dafür haben unsere Mütter und Großmütter gekämpft.

4. Bist du der Meinung, dass würdevolles Altern aus der Mode gekommen ist?

Da stellt sich mir erstmal die Frage: Was ist denn würdevolles Altern? Sind unsere Mütter würdevoller gealtert, weil sie keine Anti-Falten-Cremes genommen und ihre grauen Haare nicht gefärbt haben?  Das entscheidet jede für sich ganz individuell. Der Mensch fürchtet den Tod. Das Altern bringt uns aber leider dem Tod stets näher. Da scheint es nur normal zu sein, so lange wie möglich jung bleiben zu wollen, um körperlich und geistig unversehrt zu bleiben. Denn mal ehrlich: Ein Blick in die Pflegeheime hinterlässt keinen würdevollen Eindruck.

5. Mich persönlich nervt es, wenn  Mütter auf jung machen wollen, sich anziehen und benehmen wie die eigene Tochter. Wie ist deine Meinung dazu?

Ja, mich nervt das zum Teil auch. Es wirkt manchmal etwas verzweifelt. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass wir Ü40er tatsächlich jünger sind als die Generationen vor uns und der Abstand zwischen Eltern und Kindern daher gar nicht so groß scheint. Damit meine ich natürlich nicht das wahre Alter, sondern das gefühlte. Außerdem nervt mich auch, dass meine Töchter meine Musik hören und meine Klamotten tragen. Da überschneidet sich durch die Trends auch ganz viel. Ich trage zum Beispiel seit meinem 16. Lebensjahr Sneaker von Converse und Adidas. Ununterbrochen. Das Gute ist: Ich kann mit meinen Töchtern tauschen. Das Doofe ist: Ich muss mit meinen Töchtern teilen :-)

6. Falten werden weggespritzt- oder operiert. Diäten sollen einer Frau wieder die Figur eines jungen Mädchens bescheren. Bleiben da die wahren Vorzüge, die jedes Alter hat, nicht auf der Strecke? Willst du genau "Das" mit deiner Geschichte verdeutlichen?

Die wahren Vorzüge von Frauen ab einem gewissen Alter und einer gewissen Reife bleiben tatsächlich durch die vielen Oberflächlichkeiten, die uns so verunsichern und ablenken, auf der Strecke. Das stimmt absolut. Daher ist es wichtig, dass wir herausfinden, wer wir sind und was WIR wollen - nicht unsere Kinder, nicht unsere Partner, Kollegen, Chefs,  Nachbarn, die Werbung oder Heidi Klum. Im Laufe eines Lebens schleppt man jede Menge Altlasten mit sich herum, die man auch mal aus ausmisten muss. Mit Ü40 ist es, wie aus einem Dornröschenschlaf zu erwachen. Plötzlich sind da Speckpolster und Falten und unschöne Erfahrungen. Aber um innere Reife und Gelassenheit zu zeigen, sollte ich nicht nur lernen, damit umzugehen, sondern alles, was mir schlechte Laune macht, auch zu vermeiden. Das kann sowohl Kniespeck sein, aber auch bestimmte Menschen oder Situationen. Die Zeit ist zu kostbar für alles, was uns runterzieht.

7. Vera weiß eigentlich gar nicht was sie will. Hast du in deinem Bekannten- Freundeskreis solche Frauen um dich?

Klar! Man muss sich nur umschauen. Wenn die Kinder erwachsen werden, eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten in allen Bereichen des Lebens, und ganz viele neue Fragen kommen auf: Will ich nochmal Karriere machen oder will ich weniger arbeiten? Will ich mich endlich verwirklichen, meinen Traum leben? Will ich mich von meinem Partner trennen oder mit ihm neu anfangen? Will ich endlich promovieren oder doch noch in die Entwicklungshilfe gehen? Will ich ein Buch schreiben oder beruflich umsatteln? Will ich  auswandern oder nur in eine andere Stadt ziehen? Ein Haus kaufen oder in eine Kommune ziehen? Sind die Kinder auf dem Sprung, werden ungeahnte Energien frei.
Bei Vera kommt hinzu, dass sie mit 46 Jahren ungewollt schwanger wird, was alle ihre Pläne durcheinander wirbelt. Da wäre ich auch hin- und hergerissen.

8. Was stört- und was magst du an anderen Menschen?

Diese Frage ist zu universell. Ich finde erstmal jeden Menschen interessant, weil hinter jedem eine individuelle Geschichte steckt. Und ob mich etwas an jemandem stört, hängt auch von meiner Tagesform ab. Da kann der Andere dann oft gar nichts dafür, wenn er mir auf den Keks geht. Oftmals gehe ich mir selbst am meisten auf den Keks - besonders einmal im Monat ;-)

9. Kannst du dich noch an deine erste große Liebe erinnern?

Oh ja! Aber der Genießer schweigt.

10. Welche Probleme siehst du darin, wenn ältere Frauen wesentlich jüngere Männer lieben?

Keins, wenn zwischen den beiden alles klar ist und geredet wird - vor allem über Ängste und Erwartungen.

11. Wie ist deine Meinung zu unserem aktuellen Flüchtlingsproblem? Könntest du dir vorstellen darüber einen Roman zu schreiben? Besonders über betroffene Frauen?

Wir sind eines der reichsten Länder weltweit, in das auch ich vermutlich flüchten wollen würde, wäre ich selbst von Hunger, Armut, Terror oder Krieg bedroht. Und wir befinden uns in einer sehr komfortablem wirtschaftlichen Gesamtsituation momentan. Ich sehe internationale und nationale Flüchtlingshilfe als selbstverständlich an.
Da ich ursprünglich Journalistin bin, kann ich mir eher vorstellen dokumentarisch darüber zu berichten und zu schreiben, aber nicht in Romanform. Ganz ausschließen würde ich es aber nicht.

12. Jeder Mensch hatte irgendwann mal ein peinliches Erlebnis. Welches war deins?

Weil es so peinlich ist, werde ich mich hüten, es zu erzählen.

13. Hattest du schon viele Kontakte, mit Frauen aus anderen Ländern? Wenn ja, worin unterscheiden sie sich von deutschen Frauen?

Im Studium, auf Reisen, aber auch im Bekannten- und Freundeskreis habe ich bislang viele Frauen aus unterschiedlichen Nationen getroffen. Inwieweit wir uns unterschieden hängt natürlich auch vom Kulturkreis ab, aus dem wir stammen, und wie wir sozialisiert und gesellschaftlich geprägt sind. Das macht es eben auch so spannend. Im Großen und Ganzen gibt es sehr viele Überschneidungen. Am Ende ist nur wichtig, ob man sich mag, ob die Chemie stimmt, und dass wir respektvoll miteinander umgehen und im besten Fall gemeinsam lachen.

14. Welche Wünsche hast du für die Zukunft?

Glück in jeder Beziehung. Nicht sehr bescheiden, ich weiß. .

15. Nun gelangen wir zur letzten Frage.  Arbeitest du an einem neuen Roman?

Ja, und es geht wieder um eine Frau, die mit Mitte 40 komplett umdenken muss.

Danke liebe Franka.

Ich für meinen Teil betrachte Kniespeck nun mit anderen Augen. :-)  Hier der Link zu meiner Besprechung:
Rezi



Lesung auf der LBM

Kommentare:

  1. Ein sehr schönes Interview liebe Gisela! Interessante Themen hast du ausgewählt!
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Danke Martina. Hat auch Spaß gemacht mit der Franka.

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  2. Liebe Gisela,

    ein sehr interessantes und schönes Interview, dass ich gerne gelesen haben. Ich schicke Dir warme Sonnenstrahlen und ein laues Lüftchen aus dem schönen Schleswig-Holstein.

    Ganz liebe Grüße Silke

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    1. Danke liebe Silke. Vorsicht: Creme dich ein! Ich sende eine Ladung Sonnenstrahlen zurück!

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