Mittwoch, Dezember 14, 2016

Meine Meinung zu "Trümmerkind" von Mechthild Borrmann



In ihrem neuen Roman "Trümmerkind" beschreibt die mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnete Bestseller-Autorin Mechtild Borrmann das Leben eines Findelkinds im vom Krieg zerstörten Hamburg von 1946 / 1947. Spannung und historisches Zeitgeschehen miteinander zu verknüpfen, versteht Borrmann, die auch für den renommierten Friedrich-Glauser-Preis nominiert war, wie keine andere deutsche Autorin. Dies stellt sie mit ihren Bestsellern "Wer das Schweigen bricht", "Der Geiger" und "Die andere Hälfte der Hoffnung" und ihrem neuen Roman "Trümmerkind" eindrucksvoll unter Beweis. 
Der kleinen Hanno Dietz schlägt sich mit seiner Mutter im Hamburg der Nachkriegsjahre durch. Steine klopfen, Altmetall suchen, Schwarzhandel - das ist sein Alltag. Eines Tages entdeckt er in den Trümmern eine Tote – und etwas abseits einen etwa dreijährigen Jungen, der erstaunlich gut gekleidet ist. Das Kind spricht kein Wort, Verwandte sind nicht auffindbar. Und so wächst das Findelkind bei den Dietzens auf. Jahre später kommt das einstige Trümmerkind durch Zufall einem Verbrechen auf die Spur, das auf fatale Weise mit seiner Familie verknüpft ist …

Hier bekommt Ihr weitere Infos zur Autorin und dem Trümmerkind. Droemer-Knaur-Verlag



Zum Inhalt

Der Krieg, das Trümmerkind und die Hoffnung!

Dies ist das erste Buch, welches ich von der Autorin bisher gelesen habe. Von der ersten Silbe an hat mich der packende Schreibstil in die Geschichte hineingezogen. 

Hamburg, 1947

Hanno Dietz, seine Mutter und die kleine Schwester haben den Krieg überlebt. Hamburg liegt größtenteils in Schutt und Asche. In einem Haus, welches viele Schäden hat, leben sie zusammen in einem Zimmer. Der Vater ist vom Krieg nicht zurückgekehrt. Der 14 jährige Hanno beherzigt die Bitte seines Vaters und übernimmt die Verantwortung für die Familie. In den Haustrümmern sucht er nach verwertbaren Müll und verkauft es beim Schwarzmarkt. Als er einmal mit seiner Schwester wieder auf Suche nach Ware ist, entdeckt er in einer Ruine eine nackte, tote Frau. Vor der Ruine steht einsam und verlassen ein ca. 3 jähriger Junge. Der Junge ist tadellos angezogen. Er spricht kein Wort. Seine Schwester bettelt Hanno so lange, bis dieser einwilligt und ihn mit nach Hause nimmt. 

Köln, 1992

Anna Meerbaum ist eine sehr ängstliche Frau. Ihre Mutter spricht mit ihr nie über deren Vergangenheit. Ihr Exmann Thomas rät ihr, sich um eine eventuelle Erbschaft zu kümmern. Es handelt sich um ein Grundstück in der Uckermark. Annas Neugier ist größer als ihre Ängste. Sie reist in die Uckermark. Dort macht sie Bekanntschaft mit Joost Diez. Er renoviert das runtergekommene Haus.

Uckermark, 1945

Heinrich Anquist weigert sich, sein Anwesen zu verlassen. Dies hat sehr, sehr negative Auswirkungen für ihn und seine Angehörigen. Besonders sine Tochter Clara und Nichte Almuth sind besondere Kämpfernaturen. Vor allem Tochter Isabelle leidet an den dramatischen Ereignissen.

Meine Meinung

Die drei verschiedenen Zeitebenen wechseln bei fast jedem Kapitel. Man lernt die Personen sehr gut kennen.
Ich war sehr neugierig, was die verschiedenen Protagonisten miteinander verbindet.
Hanno lernen wir besonders gut kennen. Der Junge steht schon sehr früh seinen Mann. Seine Mutter Agnes ist eine warmherzige Frau, die keine Sekunde gezögert hat, einen kleinen Jungen bei sich aufzunehmen. Lebensmittel sind knapp. Der Ehemann verschollen. Auf ihrer Nähmaschine ändert sie Kleidungsstücke für andere Leute und hält damit die Familie über Wasser.
Besonders der kleine Waisenjunge ging mir sehr ans Herz. Durch Agnes liebevolle Art gewöhnt er sich sehr schnell an sein neues Zuhause. Agnes gibt ihm den Namen Joost.

Ich habe ja schon oft Bücher gelesen, die von der Nachkriegszeit handelten. Trümmerkind ist jedoch eine ganz besondere Geschichte. Sie zeigt, wie so oft, dass die Frauen die wahren Helden sind. Sie ernähren die Familie und warten oft vergeblich auf die Rückkehr ihrer Männer. Sie räumen die Trümmer weg (Trümmerfrauen) und freuen sich, wenn sie mal ein kleines Stückchen Butter ergattern. 
Clara hat mich tief beeindruckt. Die resolute junge Frau hat sich keinerlei Ängste erlaubt. Obwohl sie mit einem golden Löffel im Mund zur Welt kam. hat sie sich den entbehrungsreichen Zeiten gut angepasst, ohne jemals zu klagen. Almuth zeigt auch sehr viel Courage und steckt traumatische Erlebnisse gut weg. Ich habe mich oft gefragt: Wohin? Wie kann man diese schrecklichen Dinge erleben, ohne den Verstand zu verlieren?

Anna fühlt sich für ihre Mutter verantwortlich, deren bester Freund der Alkohol ist. Ich konnte ihre Mutter nicht leiden. Die selbstgefällige, alte Frau macht es sich ziemlich leicht. Beweint nur ihre eigenen Tragödien. Benutzt ihre Tochter und weigert sich ihr Informationen über die früheren Ereignisse zu geben.

Fazit

Ein Roman, der wie eine Kriegsgeschichte anmutet. Ist er ja auch. Viele Dinge die passiert sind, waren mit Sicherheit nicht legal. Man nehme mal den Schwarzmarkt oder Leichenraub. Papiere wurden gefälscht und Menschen ausgeplündert. Vergewaltigungen gab es besonders viele, als die Russen einmarschierten. Zu Konzentrationslagern brauche ich nichts zu schreiben. Jeder weiß, zu "Führerzeiten" waren sie das größte Verbrechen schlechthin. 
Was jedoch Trümmerkind von der Masse an Kriegsgeschichten hervorhebt, ist die Tatsache, dass ein Krimi in der Geschichte steckt. 

Kinder, die sehr schnell erwachsen werden müssen.
Frauen, die ihren Mann stehen.
Menschen, die zusammen halten.
Menschen, die selbst nach vielen Jahren ihre Kriegsverbrechen verharmlosen. Sie hatten ja keine Wahl ........
Männer. die nach ihrer Rückkehr nicht mehr die selben sind.
Hunger, Trauer, Tragödien und am Ende: HOFFNUNG!


Das Setting und der Schreibstil lassen den Leser an den Ereignissen teilhaben. Wir begleiten Flüchtlinge und lernen viele tolle Menschen kennen. Wir lesen einen brutalen Krimi, den das Leben schrieb. Das war mit Sicherheit nicht mein letztes Buch von Mechthild Borrmann!


Ein herzliches Danke an die Autorin.

Mein Dank geht an Droemer-Knaur-Verlag



 Das meint Connys Bücherwelt zu Trümmerkind.

Das meint Martinas Buchwelten zu Trümmerkind