Montag, November 21, 2016

Meine Meinung zu "Tage zwischen Ebbe und Flut" von Carin Müller

Carin Müller studierte Germanistik in München. Nach ihrem Studium volontierte sie bei verschiedenen Radiosendern sowie in einer PR-Agentur. Seit einigen Jahren arbeitet sie als freiberufliche Journalistin und Autorin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Hund, dem dreijährigen Airedale-Terrier-Rüden Toni, in Frankfurt.

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Meine Meinung

Felix ist 70 Jahre und leidet an Alzheimer. Sein Tochter Judith hat eine blendende Idee. Sie möchte mit ihrem Vater eine Mittelmeer-Kreuzfahrt machen. Obwohl Felix Frau nicht von dieser Idee überzeugt ist, schließt sie sich mit ihrer Enkelin Fabienne der Reise an.

Auf dieser Kreuzfahrt wird dem Leser gezeigt, dass man einem Alzheimer-Patienten, so lange wie möglich, am normalen Leben teilhaben lassen sollte.
Felix ist der beste Beweis dafür, welche positiven Auswirkungen eine Schiffsreise haben kann.
Er verglich seine Erinnerungen mit Wellen. >>Die Wellen sind mein Kopf. Ales ist da. Aber es bewegt sich. Ich kann es nicht festhalten.<< 

Auf  der Reise wurde Judith zum ersten mal klar, wie ausgepowert ihre Mutter Ellen ist.
Ellen und ihre Tochter giften sich auf der Fahrt ständig an. Sie müssen lernen, ihre Emotionen freien Lauf zu lassen. Auch Judith hat ein schweres Päckchen aus ihrer Vergangenheit zu tragen.
Ich konnte Ellen gut verstehen. Sie kümmert sich 24 Stunden am Tag um ihren kranken Mann. Nur wer so etwas schon mal erlebt hat, kann nachempfinden wie schlimm es ist, jeden Tag ein Stückchen mehr von einem geliebten Menschen zu verlieren.
Judiths beste Freundin Selma arbeitet auf dem Schiff als Joga-Lehrerin. Sie ist mit dem Offizier liiert. Mir gefiel sehr gut, wie unbefangen sie mit Felix umging. Sie gab auch Judith gute Ratschläge.   Ellens giftige Art Selma gegenüber, ärgert Judith maßlos. Ich musste schmunzeln als  Ellen Judith fragte, was denn der nette Offizier an dieser Selma findet. Judiths Antwort: >>Sie ist eine Granate im Bett.<< Felix lachte verschmitzt. Daran erkannte ich, dass er manch schöne Dinge noch nicht vergessen hat. :-)
Enkelin Fabienne genießt die Kreuzfahrt in vollen Zügen. Eigentlich hat sie ja vor berühmt zu werden. Aber, das bildhübche Mädchen gewinnt sehr viele neue Eindrücke. Schließt neue Freundschaften. Sie wird nach dieser Kreuzfahrt andere Ansichten haben. Sie hat den Dreh heraus, wie sie mit ihrer Oma umgehen muss. Die beiden sind ein Herz und eine Seele.
Als Ellen einen Landausflug unternimmt, möchte Felix auf dem Schiff bleiben. Er will seine Ruhe. Dann verlässt er unbemerkt alleine das Schiff und geht spazieren. Auf dem Rückweg landet er auf einem anderen Schiff.
Die Passage gefiel mir besonders gut. Warum? Das verrate ich jetzt natürlich nicht. Ich würde der Geschichte die Spannung rauben.

Fazit

Es ist schon eine Ironie des Schicksals, dass manche Menschen mit Alkohol und Drogen das Vergessen herbeiführen wollen, während ein Alzheimer Patient verzweifelt nach Erinnerungen sucht.
In dieser Story geht es nicht nur um Alzheimer. Familienprobleme wollen  aufgearbeitet werden. Mutter und Tochter lernen auf der Schifffahrt neue Seiten aneinander kennen.
Es wird einem vor Augen geführt, wie dringend ein dementer Mensch einen normalen Tagesablauf braucht. Dieser kann sehr wohl auf einem Schiff stattfinden. Es sind seine Angehörigen die er dringend braucht.
Ich kann mir nicht ansatzweise ausmalen, was es bedeutet, einen dementen Partner zu haben.
Carin Müller hat ein sehr ernstes Thema in eine wunderschöne Reise gepackt. Humor und wunderschöne Landausflüge in Italien, verhindern, dass dieses Buch trübselig daherkommt.
Man merkt beim Lesen, dass die Autorin eigene Erfahrungen mit einem Familienmitglied hat.
Bald schon beherzigen Ellen und Judith die Ratschläge von Selma: >>Was auf dem Schiff ist, bleibt auf dem Schiff.<<
Sonne und das Meer mit seinen Wellen. Ja, ich kann mir vorstellen, dass diese Mischung die Seele reinigen kann. Weit weg vom normalen Leben, wird manches unwichtig.

>>Meine Wüste heißt Alzheimer. Ein Sandsturm hat innerhalb kürzester Zeit fruchtbares Land verwüstet und lässt nichts als Ödnis übrig.<< (Ellen, Seite 138)

Eine klare Empfehlung von mir.

Danke Carin Müller

Mein Dank geht an den Droemer-Knaur-Verlag