Freitag, Februar 05, 2016

Meine Meinung zu "Zwischen uns die Flut" von Eva Moraal

Vita

Eva Moraal, 1982 in Schiedam geboren, hat Geschichte studiert und an der Universität von Amsterdam in Zusammenarbeit mit dem NIOD (Institute for War, Holocaust and Genocide Studies) promoviert. "Zwischen und die Flut" ist ihr Debütroman. 

Info

Zwei Familien, zwei Schicksale. Dazwischen eine Liebe, die nicht sein darf. Als Nina und Max sich ineinander verlieben, steht ein großes Geheimnis zwischen ihnen. Es wird ihre Wege auseinanderreißen und wieder zueinanderführen. Doch die Wahrheit kann zerstörerisch sein. Sie sät Zorn, wo Schuld gesucht wird. Und nur allzu schnell werden aus Opfern Täter. Eine atemlose Jagd nimmt mit einer Entführung ihren Lauf, und schon bald ist klar: Nichts ist, wie es scheint.

Hier könnt Ihr Euch in die Fluten stürzen:    




Meine Meinung

Eines gleich mal vorweg: Ich habe mich in dieses Cover verliebt. Schon beim Blick auf dieses Buch fühle ich mich mich wie unter Wasser. Und der wunderbare blaue Buchschnitt ist eine richtige Augenweide. 
Nass und trocken spielt in dieser Dystopie eine große Rolle.
Eine überflutete Erde ist die Thematik in dieser Geschichte. Es gibt Menschen die in den ungemütlichen, nassen Gegenden leben. Man nennt sie die "Nassen!" Es gibt Menschen die in besseren, trockenen Gegenden wohnen. Man nennt sie die"Trockenen!"

Nina ist die Tochter des Gouverneurs. Ihre Schwester ist bei einer Überflutung ums Leben gekommen.
Max ist ein Nasser. Sein Pa ist bei einer Überflutung ums Leben gekommen. Sein großer Bruder Liam ist ein Rebell.
Ninas Wege kreuzen sich mit denen von Max. Nass und trocken. Unter einem anderen Familiennamen besucht Nina die gleiche Schule wie Max. 
Eine zarte Liebe bahnt sich an. Eine Liebe die niemals sein darf. 

Max mochte ich gerne. Sein schweres Leben konnte nichts an seinem Gerechtigkeitssinn ändern. Obwohl er im Grunde ein friedlicher Mensch ist, wurde er immer in Situationen gebracht, die ihn in ein schlechtes Licht rückten. Man hat oft aus ihm ein Monster gemacht, dass er im Grunde niemals war. 
Eine Erde die von Überflutungen heimgesucht wird ist nicht abwegig. Es ist eine Umweltkatastrophe vor der sich die Menschheit tatsächlich fürchtet. Dass so eine Katastrophe die Menschen spaltet kann man sich auch gut vorstellen. 
Nina hält zu Max und entdeckt viele Ungereimtheiten um den Tod ihrer Schwester. Sie weiß nicht, ob sie ihrem Vater noch trauen kann. Sie möchte Max die Wahrheit sagen, wer sie wirklich ist. Doch, wird Max sie dann noch lieben, da ihr Vater Schuld an dem Tod von Max Vater haben soll? Nina kommt leider nicht mehr dazu mit Max zu sprechen.  Furchtbare  Dinge passieren.

Fazit

Die Autorin erzählt flüssig und ohne große Gefühlsduselei. Manchmal hätte ich mir etwas mehr Power gewünscht. Die Geschichte plätschert so dahin und nimmt ziemlich am Ende erst an Fahrt zu.
Die Idee finde ich gut. Die Umsetzung hätte etwas mehr Emotionen und Action vertragen. Die Charaktere kommen glaubhaft rüber. 
Max hatte mir einmal ein paar Tränen entlockt: >>Er weint. So stumm, aber er weint.<< Max war für mich der Held in diesem Buch. Für seine große Liebe Nina hatte er sogar sein Leben riskiert. Nina vergisst ihre feine Herkunft und riskiert ihr Leben für Max. Beide habe ich in mein Herz geschlossen.
Trotz Schwächen eine lesenswerte Dystopie.  Ob mir das Ende gefallen hat? Fast, es hätte mir fast gefallen. Leider musste sich Jemand verabschieden, für den ich gerade anfing Sympathie zu entwickeln. Mein Lieblingszitat aus diesem Buch. >>Trockenen Humor hast du jedenfalls nicht.<<

Danke Eva Moraal

4 Sterne

Meine Meinung zu "Die allgemeinen Geschäftsbedingungen meines Lebens" von Robert Glancy



Robert Glancy wurde in Sambia geboren und wuchs in Malawi auf. Mit vierzehn zog er von Afrika nach Edinburgh und studierte später Geschichte in Cambridge. Er lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in Neuseeland.

Info

Unfassbar komisch, scharfsinnig und tiefgründig. Genau die Art Buch, die ich absolut liebe.” Gavin Extence
“Dieses großartige Debüt ist absolut lesenswert. Fußnoten waren niemals so süchtig machend.“ Matt Haig

Frank hatte einen Autounfall.* Der Arzt verkündet ihm, dass er seine Milz verloren hat, doch Frank glaubt, dass nicht nur die fehlt. Er vermisst seine Erinnerung – über diejenigen in seinem Umfeld, über die Geschichte, die sie teilen, und über die Geschehnisse, die zu seinem Unfall führten. Das einzige, an das er sich erinnern kann, ist, dass er ein Vertragsanwalt ist, der auf Kleingedrucktes – AGBs** – spezialisiert ist.
Nach seinem Unfall beginnt Frank die Einzelteile seines früheren Lebens – und seines früheren Selbst – zusammensetzen. Aber das Bild, das entsteht – von seiner Ehe, seiner Familie und seiner Karriere, für die er Jahre geopfert hat – ist alles andere als schön. Könnte es sein, dass die AGBs, unter denen Frank lebt, nicht ganz zu seinen Gunsten sind?***
Frank, der Mann fürs Kleingedruckte, will nicht mehr. Während er versucht, die Knoten zu lösen, die sein Leben so eng zusammengezurrt haben, muss er erfahren, dass der Teufel tatsächlich im Detail bzw. im Kleingedruckten steckt – und dass es niemals zu spät ist, sein eigenes Schicksal umzuschreiben.****

_______________

* Scheinbar einen sehr ernsten.
** Also Wörter, die nie jemand liest.
*** Und womöglich niemals waren?
**** Selbst wenn man bei einer klitzekleinen Fußnote beginnt.

Hier kommt Ihr zu den AGBs:  


Die ganz besonderen AGBs eines Mannes, der sich erst verlieren musste um sich wieder zu finden!

Meine Meinung

Alleine schon die Grundidee dieses Buches hat mir keine Wahl gelassen. Das Leben in AGBs aufteilen habe ich zuvor noch nie gelesen- oder erlebt. Ich musste es lesen. 
Franks kleinstes Problem ist die Milz, die er bei einem Autounfall verloren hat. Vielmehr interessieren ihn die Puzzleteile seines Lebens, die er langsam aber sicher zusammensetzen muss. Wer ist die Frau die er irgendwann mal geheiratet hat? Warum ist er in der Kanzlei seines Vaters nicht gleichberechtigt?  Von seinem Bruder scheint er nicht sonderlich begeistert zu sein. Der übergewichtige, aus dem Mund stinkende Anwalt zeigt wenig Gewissen, wenn es um die Verträge geht, die er abwickelt. Frank ist sich sicher, dass vieles nicht im Sinne seines verstorbenen Vaters geschieht. 
Der Schreibstil des Autoren ist flüssig und trieft nur so von Ironie. Ganz nüchtern werden wir in die AGBs von Franks Leben eingeführt. Sein Bruder Oscar hat bei mir regelrechten Ekel ausgelöst. Wie Oscar zu seiner schönen Frau  Nina gekommen ist, verstehe ich nicht. Nina ist Französin und hat eine sehr warmherzige Art.
Die Geschichte zeigt uns, dass Anwälte nicht immer die ehrlichsten Menschen sind. Aber mal ganz ehrlich, das wussten wir vorher schon. Die Erzählstränge spielen sehr oft in der Vergangenheit. Wir erleben mit, wie sich Frank in seine Frau verliebt. Eine Frau, die noch Ideale hat und dafür kämpft. Eine Frau, die nicht mehr viel mit dieser Idealistin zu tun hat. Eine Frau, die Franks Herz nicht mehr erreichen kann. Eine Frau deren Kariereleiter oberste Priorität hat. 
Einen Vertrauten hat Frank in dem langjährigen Mitarbeiter Doug gefunden. Doug hilft ihm die fehlenden Puzzleteile seines Lebens zusammenzusetzen. So erzählt die Geschichte mal in der Gegenwart mit Doug und den Erzählungen aus der Vergangenheit. Frank erfährt, dass Anwalt nicht sein Berufswunsch war. 
Fazit

Wer mal ein Buch lesen möchte, dass dem Einheitsbrei ein Schnippchen schlägt, liegt bei "Die allgemeinen Geschäftsbedingungen meines Lebens" goldrichtig. Die verschiedenen Kapitel sind in AGBs aufgeteilt. Frank fand ich sympathisch. Mir hat sehr gut gefallen, wie er sich an sein neues Leben herangetastet hat. Er hat das Kleingedruckte in den Verträgen zusätzlich mit eigenen Worten gewürzt. So manches mal konnte Frank mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Gefühlsduselei hat in dieser Geschichte keinen Platz gefunden. Trotzdem finde ich Frank sehr warmherzig. Seine Gefühle kommen echt rüber und man merkt einfach, dass Anwalt sein nicht Franks Lebenssinn ist. Die Fußnoten am Ende des Buches finde ich einfach nur gut.
Meine persönlichen AGBs zu diesem Buch:
Außergewöhnlich
Knallhart
Ironisch
Gnadenlos ehrlich
Grandios
Unbedingt lesen
5 Sterne
Danke Robert Glancy


Meine Meinung zu "Wo du auch bist" von Fleur Smithwick

Vita

Fleur Smithwick lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Richmond bei London. Nach dem Studium der französischen Literatur und Sprache in Southampton arbeitete sie in verschiedenen Jobs, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Für ihre Kurzgeschichten gewann sie zahlreiche Preise. Wo du auch bist ist ihr erster Roman, und sie arbeitet gerade an ihrem zweiten.

Info

In ihrer Kindheit waren sie unzertrennlich: Alice und Sam, der imaginäre Freund, der ihr nach der Scheidung der Eltern durch eine schwere Zeit half. Zwanzig Jahre später stellt ein tragischer Autounfall Alices Welt erneut auf den Kopf. Sie erwacht aus dem Koma – und Sam ist wieder da. Er bringt sie zum Lachen, führt sie langsam ins Leben zurück. Doch Sam will mehr, und vor allem will er nicht, dass Alice ihrer Jugendliebe Jonathan wieder näherkommt. Fast zu spät erkennt Alice, in welcher Gefahr sie schwebt …

Ihr wollt auch einen imaginären Freund?  

Zum Inhalt

Die Geschichte erzählt von Alice und ihren imaginären Freund Sam. >>Sam, komm und spiel mit mir.<<
Alice hatte als Kind ihren Freund Sam, den nur sie sehen konnte. Bei ihrer Oma hatte sie jedoch immer das Gefühl, dass diese ihn auch sehen konnte..
Alice hatte viele Jahre später einen dramatischen Autounfall, bei dem ihr bester Freund sein Leben verlor. Als sie aus dem Koma aufwachte, war auf einmal ihr Freund Sam auch wieder da. Jahrelang hatte sie ihn nicht mehr gesehen.

Meine Meinung

Von der ersten Silbe an konnte mich diese Geschichte fesseln. Alice hatte eigentlich keine so schöne Kindheit. Ihre Mutter Julia war immer mit sich selbst beschäftigt und hatte nie Zeit für Alices Sorgen und Nöte. Ihre Eltern hatten sich schon vor Jahren scheiden lassen.
Alice war sich oft nicht mehr sicher, ob sie Sam noch sehen will. Sie fragte sich oft selber, ob Sam real ist oder sie ihn nur in Krisenzeiten selber ins Leben gerufen hatte.

Den Tod ihres besten Freundes Rory musste sie erst noch verarbeiten. In Rorys Bruder Jonathan war sie schon seit jeher verliebt. Jonathan war für sie jedoch tabu, da er kurz vor seiner Hochzeit stand.

Ich konnte Jonathan nicht besonders gut leiden, da ich oft das Gefühl hatte, er würde mit den Gefühlen von Alice spielen. Alice hatte sehr viel zu verarbeiten. Rorys und Jonathans Eltern waren auch für sie eine Familie. Nach dem Tod von Rory konnte sie sich aber nicht mehr wohl fühlen  dort. Obwohl alle sehr freundlich zu ihr waren, fehlte ihr auf einmal das Zugehörigkeitsgefühl. 
Sam fand ich faszinierend. Er war auch für mich real. Zeitweise konnte er einem aber richtig Angst einjagen. Jeder wusste über Sam Bescheid. Ich habe mich oft gefragt, ob man Alice für verrückt gehalten hatte. 

Fazit

Gute 460 Seiten konnten mich Alice und Sam überzeugen. Ich weiß ja nicht, ob man einen imaginären Freund wirklich haben kann. Gehört habe ich so etwas jedoch schon öfter. Faszinierend fand ich, dass die Autorin Sam so glaubhaft dargestellt hatte, dass ich nicht eine Sekunde an seiner Existenz zweifelte.
Der Schreibstil ist flüssig. Einmal in der Vergangenheit- dann wieder in der Gegenwart geschrieben. Man konnte viel aus Alices Kindheit erfahren und somit die erwachsene Alice besser verstehen. 

In diesem Buch passieren sehr viele Dinge. Von Hochzeit bis zu Trauer erleben wir alles mit. Unerfüllte Liebe und Charaktere die erst noch feststellen müssen, wo ihr Platz im Leben ist. Ob mir das Ende gefallen hat? Das Ende fand ich gut und etwas gruselig! SAM!

Danke Fleur Smithwick

5 Sterne  


Mein Dank geht an den Diana Verlag