Donnerstag, April 30, 2015

Meine Rezension zu "PAPILIO" Eine Flucht aus der DDR

Vita

Jürgen Augst, 1954 in der Oberlausitz (DDR) geboren, lebt und arbeitet in Bergisch Gladbach. Er ist tätig als Sachverständiger für Immobilien in einem renommierten Unternehmen.
1974 unternahm Jürgen Augst einen gefährlichen Fluchtversuch über Rumänien, geriet dabei in die Fänge der berüchtigten „Securitate“ und erlebte die denkbar schlimmsten menschlichen Abgründe. Nach einer 10jährigen Odyssee siedelte er 1984 in die Bundesrepublik Deutschland über.
„Vollkommen unbedarft und unwissend, auf was ich mich da einlasse, beschloss ich mit meinem Freund das Vorhaben in Angriff zu nehmen. Eine dramatische Zeit sollte folgen, die selbst von den dunkelsten Gedanken noch übertroffen wurden. Dieses Buch zu schreiben, ist für mich die Verarbeitung eines Teiles meiner Vergangenheit. Es soll Mahnung gegen das Vergessen und Gedenken an die Opfer diktatorischer Regime sein.
Papilio = Schmetterling, steht für mich für die Unbeschwertheit des Daseins. Frei wie ein Schmetterling wollte ich sein und durfte es nicht. Als Ausweg kam nur die Flucht in Frage.“

Mit seiner ersten Veröffentlichung eines philosophischen Sachbuches 1998, mit dem Titel „Das Geheimnis der Einheit“, versucht er Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen der Menschheit zu geben: Existiert Gott, wie lautet die Formel und der Lebensplan der Schöpfung, woher kommen wir, gibt es ein Leben nach dem Tode? Mit diesem Buch rangierte er lange in den Bestsellerlisten. 2013 wurde es neu aufgelegt. Im selben Jahr erschien auch ein Gedichtband des Autors.

„Ist das Leben, so wie wir es erleben, real oder nur ein Traum? Wenn das Leben ein Traum ist, dann sollten wir diesen Traum leben.“

Zum Inhalt

Gefangen im Netz der Securitate

Aus einer kleinen und verschlafenen Kleinstadt in der Oberlausitz, wollen zwei Jugendliche ihr bisheriges Leben hinter sich lassen. Unzufrieden mit dem System, beschließen sie die DDR auf illegalem Wege zu verlassen. Über Rumänien, Jugoslawien soll Österreich erreicht werden.
In ihrer Naivität ahnen sie nicht, auf was sie sich einlassen. Sie schwören, dass im Falle eines Scheiterns, die Flucht nicht zugegeben wird, egal was passiert. Doch unmittelbar an der jugoslawischen Grenze endet bereits ihre Flucht. In der Hand der rumänischen Geheimpolizei Securitate erleben sie die denkbar schlimmsten menschlichen Abgründe. Werden sie standhalten? Folter, Erpressung, Vergewaltigung und Scheinerschießung stellen die Freundschaft auf eine harte Probe.
Es folgt eine 10 jährige Odyssee, die 1984 mit der Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland endet. Zuvor muss Jürgen Augst noch einige Hürden nehmen – 18 Monate Straflager, Berufsverbot und zahlreiche Verhöre bei der Stasi. Selbst als er sich in Sicherheit wiegt, schlägt das Schicksal in Form eines Mordanschlages erbarmungslos zu …


Meine Meinung

Dies ist keine Bewertung im üblichen Sinne. Ich kann doch nicht ein Erlebnis eines anderen Menschen bewerten. Den Schreibstil ... ja, den möchte ich sehr gerne bewerten.

Mich interessieren Menschen aus der ehemaligen DDR und die Erlebnisse die sie hatten. Wie haben sie gelebt? Hat sich wirklich Vieles so zugetragen, wie man es in den Medien immer hört? Waren sie unglücklich; oder durchaus auch zufrieden? Hatten Menschen, die flüchten wollten, wirklich die Hölle auf Erden?

28 April 2015, Sonniger Nachmittag

Wir haben herrliches Frühlingswetter. Ich mache einen Spaziergang und setze mich auf eine Parkbank. Ich liebe die Natur im Frühling. Ich liebe das Lesen eines guten Buches. Genau das mache ich! Ich habe mir das Buch "Papilio" mitgenommen. Ein paar Seiten werde ich lesen, bevor ich meinen Heimweg antrete .........

DDR 1974

Frank Richter, (Spitzname Backe), ist der beste Freund von Jürgen Augst. Sie hören gerne Musik von Jimmy Hendrix und den Beatles; was in der DDR nicht unbedingt erwünscht ist.
Jürgen spielt gerne Gitarre und hat durchaus Talent dazu. Mit seiner Konzertgitarre hat er Unterricht bei dem Musiklehrer Hempel. Der Unterricht ist nicht billig. Seine Eltern finanzieren es trotzdem. 
Jürgen ist nicht begeistert und fliegt bald aus dem Unterricht.

Jürgen erzählt viel von den Unternehmungen, die sie als junge Männer so machen. Alkohol fließt auch in Strömen. Jürgen fühlt sich total eingeengt in der DDR und träumt vom Westen.
Da macht Backe den Vorschlag: "Lass uns in den Westen flüchten"!

Jürgen hat Bedenken. Kann er seine Familie einfach verlassen? Wird die Flucht gelingen? Was wird auf ihn zukommen? Sein Vater lebt nicht mehr. 

Backe hat alles organisiert. Marita hilft ihnen über die rumänische Grenze zu kommen. Kurz nach der Grenze werden sie aufgegriffen .....


Was dann kommt ist Wahnsinn pur. Jürgen und Backe landen, getrennt voneinander, in einem schäbigen Knast. 

Jürgen macht sich große Sorgen. Was ist aus Backe geworden? Wird er schweigen? 
Normalerweise haben sie gut vorgesorgt; sollten sie erwischt werden .....

Dann wird Jürgen auf bestialische Weise gefoltert .... 

Fazit

28 April 2015, Kühler Abend

Ich sitze immer noch auf der Parkbank und habe eben das Buch beendet. Gänsehaut überzieht meinen Körper. Ja, es ist kühl geworden. Die Sonne wird bald untergehen. Davon kommt meine Gänsehaut jedoch nicht. Was ich eben gelesen habe, hat sie verursacht.
Ich frage mich, wie hat Jürgen diese Qualen aushalten können? Was sind das für Menschen, die so etwas tun? Ich habe vor Jürgen Augst allen Respekt dieser Welt. 

Das Leben in der DDR konnte ich mir, (aus der Sicht eines Mannes), sehr gut vorstellen. Der Schreibstil des Autoren hat es möglich gemacht.
Das Ende hat mich ratlos zurückgelassen. Was ist aus Backe geworden??? Ich will es mir nicht vorstellen ....

Es handelt sich hier um ein kleines Büchlein mit großem Inhalt. Man sollte es unbedingt gelesen haben. 

Vielen Dank lieber Jürgen, dass sie ihre Erlebnisse mit uns teilen.

Absolute Empfehlung von mir und 5 Sterne für den tollen Schreibstil.


Kommentare:

  1. Ich habe mir deine Rezi durchgelesen und bin echt gerührt! Ob es wirklich so war, kann ich leider oder sollte ich vielleicht Gott sei Dank sagen, nicht beurteilen. Ich bin auch ein DDR-Kind, 1970 geboren, und ich konnte mich nicht beschweren. Ob ich diese Buch lesen werde, weiß ich noch nicht! Auf jeden Fall Danke ich dir für diese Buchempfehlung!

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  2. Hallo Gisela,
    ich bin auch ein DDR-Kind und manche hatten es gut, manche hatten es weniger gut, so dass ich auch die Flucht verstehen kann. Und ja, ich weiß, dass es fürchterliche Foltersachen gab in der DDR, gott sei Dank nicht aus eigener Erfahrung.

    Ich denke aber, dieses Buch werde ich nicht lesen. Ich habe schon zuviel Greueltaten gehört und mein Leben war in der DDR einfach gut, das möchte ich so in Erinnerung behalten.

    LG Ivi

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  3. Da gebe ich dir vollkommen Recht. Obwohl das Buch sehr interessant ist. Ich habe es einer Frau aus der ehemaligen DDR geschenkt. Die wollte es unbedingt lesen.

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