Donnerstag, Mai 29, 2014

Meine Rezension zu "Es wird keine Helden geben" von Anna Seidl

                                   Kurzbeschreibung


Berührend, fesselnd, unfassbar: Wenn nichts mehr ist, wie es war. Kurz, nachdem es zur Pause geläutet hat, hört Miriam einen Schuss. Zunächst versteht niemand, was eigentlich passiert ist, aber dann herrschen Chaos und nackte Angst. Matias, ein Schüler aus ihrer Parallelklasse, schießt um sich. Auch Miriams Freund Tobi wird tödlich getroffen. Miriam überlebt - aber sie fragt sich, ob das Leben ohne Tobi und mit den ständig wiederkehrenden Albträumen überhaupt noch einen Sinn hat. Waren sie und ihre Mitschüler Schuld an der Katastrophe? Das großartige Debüt von Anna Seidl, die erst 16 Jahre alt war, als sie diese aufwühlende Geschichte geschrieben hat: eine intensive Auseinandersetzung mit den Folgen eines Amoklaufs für die Überlebenden, mit Schuld und Trauer, schonungslos erzählt.


                                           Über die Autorin

Anna Seidl wurde 1995 in Freising geboren und lebt heute mit ihren Eltern in Frankfurt. Schon als Kind hat sie gern Geschichten erzählt, mit 18 Jahren veröffentlicht sie nun ihren ersten Roman, der den Verlag als initiativ eingesandtes Manuskript erreichte.







  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Oetinger (20. Januar 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 378914746X
  • ISBN-13: 978-3789147463
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 14 x 2,6 cm
        


  • Als erstes Mal: Vielen Dank an den Oetinger Verlag! Ich habe dieses Buch bei einer großen Aktion gewonnen.

    Diese beeindruckende Geschichte ist keine leichte Kost. Im wahren Leben ist so was leider schon öfter passiert. Der Schreibstil hätte es mir ermöglicht das Buch in einem Rutsch durchzulesen. Nur die Handlung hat mich dazu gebracht, das Buch immer wieder zur Seite zu legen. Man muss das Gelesene regelrecht häppchenweise verdauen. Aber nun erstmal zum Inhalt......


    Miriam hat ihre erste Liebe  Tobi verloren. Er wurde von einem Amokläufer in der Schule erschossen. 
    Der Täter, Mathias Staudt, ist ein unscheinbarer Junge der von seinen Klassenkameraden gemobbt wurde.
    Jetzt müssen Miriam und ihre Mitschüler einen Weg finden, ihr Leben nach dieser Tat weiter zu führen. Und das ist nicht leicht!

    Miriam ist ein fröhlicher Teenager der gern mit ihren Freundinnen abhängt. Ihre beste Freundin ist Joanne.
    Beide haben sich auf der Jungentoilette versteckt vor dem Amokläufer. Sie bekamen mit wie ihr Klassenkamerad Philipp erschossen wurde. Miriam hat ihren Freund Tobi blutend auf dem Schulflur liegen sehen. Der Täter Mathias steht vor ihr mit der Pistole. Sie kann gerade noch rechtzeitig gerettet werden. Für Tobi kam jede Hilfe zu spät. Mathias tot........

    In der Geschichte wird genau beschrieben wie sich Miriam nach der Tat fühlt.Den Schmerz ihrer erste große Liebe verloren zu haben.Tagelang nichts mehr essen kann und keinen Kontakt zu anderen Menschen haben will.Immer wieder in Träumen den Amoklauf durchlebt. Ständig auf Tobis Handy anruft um seine Stimme auf der Mailbox  zu hören. Ihre Mutter hat sie vor Jahren verlassen um ihre Freiheit zu genießen. Nach Miriams furchtbaren Erlebnis steht ihre Mutter auf einmal vor der Tür. Sie will ihrer Tochter helfen. Miriam kann erstmal nichts mit ihrer Mutter anfangen. Zu groß ist der Schmerz von ihr verlassen worden zu sein. Ihr Vater hat auch kaum Zeit für sie. Miriam wird nun die Zuwendung der Beiden fast zuviel.

    Man erlebt mit wie Miriam Schritt für Schritt das Erlebte verarbeitet. Auch ihre Freundinnen sind wie versteinert. Joanne ist überhaupt nicht mehr ansprechbar. Sie ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. " Sind wir schuld!?" sind die einzigen Worte die Miriam von ihrer Freundin noch hört! Sophie will ihren Schmerz mit Drogen verdrängen und stürzt immer weiter ab. Tanja zieht in eine andere Stadt und bricht alle Kontakte ab. Sie löscht auch ihr Facebook - Konto.  Vanessa ist die einzige Freundin mit der Miriam noch Kontakt hat.


    Meine Meinung

    Kein Mensch hat das Recht einen anderen umzubringen. Egal wie sehr er gemobbt wurde. Man muss andere Wege finden um damit fertig zu werden.
    Anderseits...kein Mensch hat das Recht einen anderen zu mobben!!!!

    Mir hat auch Mathias sehr leid getan. Ein verspotteter Aussenseiter zu sein ist nicht leicht. Was ist in seinem Kopf vorgegangen als er diese Tat begangen hat? Wie ergeht es den Eltern jetzt? Leider hat man davon nichts gelesen.
    Miriam wird sich immer mehr bewusst dass sie viel dazu beigetragen hat, Mathias das Leben schwer zu machen. Sie hatte damals schon ein schlechtes Gewissen. Aber was tut man nicht alles um zu einer Gruppe zu gehören? In der Geschichte wird auch verdeutlicht dass nicht nur Schüler mobben. Wenn ein Lehrer einen Schüler nicht leiden kann wird selbst manchmal zum Mobber!
    Miriams Gedankengänge beschreiben sehr gut wie das Mobbing entstanden ist.

    Sie fasst langsam aber sicher Vertrauen zu ihrer Mutter. Fängt an zu verstehen dass jeder seinen eigenen Weg im Leben gehen muss.
    Auch ihre Psychologin findet Zugang zu Miriam.
    Miriam muss noch mit einem weiteren Schicksalsschlag fertig werden.
    Doch nun gibt es keinen Tobi mehr an dessen Schulter sie sich anlehnen kann.

    Teilweise kam ich mir beim Lesen vor als wenn mir jemand den Spiegel vorhält. Ich bin nicht stolz darauf auch schon Klassenkameraden geärgert zu haben. Ihnen Namen gegeben zu haben die nicht schön waren. Auch in unserer Schulzeit wurde schon mächtig gemobbt. Damals kannte man jedoch diesen Ausdruck nicht. Auch mich selber hat es das eine oder andere Mal erwischt. Aber damals ging immer alles gut aus. Man hat sich wieder vertragen. Aber...kann man denn wissen wie weh jemanden wirklich getan wurde? Weiß man wie es das spätere Leben der gemoppten Schüler beinflusst hat? 

    Ein Kompliment an die blutjunge Autorin Anna Seidl! Besser kann man diese Thematik nicht rüberbringen. Vor allem das Leben " NACH" so einer Tat wird beeindruckend geschildert. Wie wenig hilfreich gut gemeinte Ratschläge oft sind. 
    Besonders gut hat mir die Erklärung von der Psychologin gefallen: " Miriam, auch vor dem Amoklauf war dein Leben nicht perfekt. Deine Mutter hat euch verlassen, was dir sehr weh getan hat. Und trotzdem hast du viele positive Dinge erlebt. Neue Freundinnen und deinen Freund. Auch nach dem Amoklauf wirst du wieder schöne Dinge erleben. Du wirst es niemals vergessen. Immer wieder traurig sein. Aber du wirst lernen damit zu leben!" Nicht wortgetreu von mir wieder gegeben aber vom Sinn her das Gleiche.

    Fazit

    Dieses Buch sollte unbedingt "JEDER" lesen. Die Geschichte ist sehr gut zu lesen. Die Thematik immer aktuell. 


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